Zur Geschichte von Hirslanden

Dass die Gegend des heutigen Quartiers Hirslanden schon früh besiedelt war, bezeugen verschiedene Funde. Bei der Burgwies wurden Bronzegegenstände aus der späten Bronzezeit um das 10. bis 8. Jh. vor Chr. gefunden, im Degenried Gegenstände aus der Eisen- und Römerzeit und bei der Klus zeugen Überreste eines römischen Bauwerks von früher Besiedelung.

Der Name Hirslanden ist schon gegen Ende des ersten Jahrtausends n. Chr. im Jahr 946 im Zusammenhang mit einer Zehntenausscheidung (im Mittelalter und der frühen Neuzeit die rechtliche und räumliche Abgrenzung, Aufteilung oder Zuweisung von Zehntenrechten) als "Hirslanda" dokumentiert. Man hat also vermutlich in der Gegend unseres Quartiers schon damals Hirse angebaut. Hirslandens Zehnten wurden damals dem Grossmünsterstift zugeteilt.

Ab Mitte des 13. Jh. gehörte Hirslanden zu Stadelhofen, das von der Familie Mülner aus dem Zürcher Stadtadel beherrscht wurde. Mitte des 14. Jahrhunderts verkaufte diese Adelsfamilie ihre Rechte über Stadelhofen an die Stadt Zürich. Und 1384 wurde Stadelhofen und somit auch Hirslanden in die zürcherische Obervogtei Küsnacht eingegliedert.

Die Gemeinde Hirslanden entstand mit der Einteilung der Vorstadtgebiete in Steuer- und Militärbezirke – die sogenannten Wachten – im 15. Jahrhundert.

Im 16. Jahrhundert legten die Bürger von Hirslanden ein Gemeindegut – besser bekannt als Allmend (Gemeindevermögen, das als gemeinschaftliches Eigentum von der gesamten Bevölkerung benutzt werden durfte) –  an, als sie wegen Schulden aus den beiden Kappelerkriegen (1529 und 1531) eine Sondersteuer erheben mussten.

Ein Gemeindehaus von Hirslanden wird erstmals 1636 erwähnt. Allerdings zeigt ein Plan des "Stadelhofer Zehntens" von 1650 Hirslanden immer noch als Streusiedlung mit einem schwach ausgeprägten Zentrum. Eine Siedlung gab es früh am Kreuzplatz, eine weitere entwickelte sich längs der alten Landstrasse nach der Forch. Das Gemeindehaus und die Taverne "zum wilden Mann" bildeten einen gewissen Mittelpunkt, weshalb dieser Gemeindeteil die Bezeichnung "im Dorf" erhielt. Eine weitere Häusergruppe befand sich dort, wo der offen talwärts fliessende Hegibach zur Forchstrasse gelangte, am heutigen Hegibachplatz. Von diesem Punkt aus führten zwei Flursträsschen bergwärts zum Hirslanderberg. Das erste ist identisch mit der heutigen Hegibachstrasse und erreichte die Gehöfte in der unteren Klus. Das zweite hiess damals Holzgasse und wurde später zur Hofackerstrasse ausgebaut.

Kirchlich gehörte Hirslanden zum Grossmünster, benützte aber mit anderen Aussengemeinden 1611-1834 die alte Kreuzkirche (mit Friedhof) beim heutigen Kreuzplatz. 1834 gründete Hirslanden dann zusammen mit Hottingen und Riesbach die Kirchgemeinde Neumünster, welche die Kirche Neumünster zwischen 1836 und 1839 erstellen liess.

Neben der Landwirtschaft sind im 14. und 15. Jahrhundert zwei Schmieden und eine Mühle erwähnt. Die sogenannte Hirslandermühle ist sehr alt, sie wird als Lehen der Fraumünsterabtei schon 1393 urkundlich genannt. Der Wehrenbach hat in früheren Jahrhunderten zwar oft Überschwemmungen und erhebliche Schäden verursacht, seine Wasserkraft ermöglichte aber schon vor Jahrhunderten das Entstehen gewerblicher Betriebe im sogenannten Hammer und im Drahtzug. 

Im 19. Jahrhundert hielt dann auch in Hirslanden die Industrie Einzug: 1805 führte Heinrich Zeller aus Balgrist die Seidenindustrie ein. Und Mitte des 19. Jahrhunderts lebte schon fast die Hälfte der Einwohner von der Industrie.

1871 leitete Hirslanden mit der teilweisen Unterstellung des Gemeindegebietes unter das kantonale Baugesetz von 1863 den Wandel zur städtischen Siedlung ein. So entstanden 1875 ein Strassenplan und 1886 ein erster Bebauungsplan für das Blutbuchareal an der Blutbuchstrasse, heute Freiestrasse.

1893 wurde die zuvor politische Gemeinde Hirslanden des Kantons Zürich in die Stadt Zürich eingemeindet. Die Gebiete Balgrist und Eierbrecht, die heute zu den Quartieren Riesbach und Witikon gehören, waren zu diesem Zeitpunkt und bis ins 20. Jh. noch Teil davon. 1894 kam es zur Tramverbindungen in die Stadt, und 1912 kam die die Forchbahn dazu.

Als 1912 die Wahlkreise neu definiert wurden, damit sie eine ähnliche Anzahl an Wahlberechtigten umfassten, wurden der Balgrist und ein Spickel entlang der Forchstrasse vor dem Kreuzplatz zu Riesbach geschlagen. Bei der damaligen Abstimmung wurde festgehalten, die Grenzverschiebungen könnten rückgängig gemacht werden, sollte der Grund für die Veränderung entfallen. Seit die Wahlkreise 7 und 8 im Jahr 2006 zusammengelegt worden sind, ist dies der Fall. Deshalb hat im Jahr 2010 der ehemalige Präsident des Quartiervereins, Heinz Schweizer, eine Einzelinitiative eingereicht, um die ursprünglichen Grenzen wieder herzustellen. Der Gemeinderat versagte dem Vorstoss jedoch die Unterstützung, obwohl insbesondere der Balgrist funktional seit jeher auf Hirslanden ausgerichtet ist und viele seiner Bewohner sich Hirslanden zugehörig fühlen.

(Quellen: Historisches Lexikon der Schweiz HLS, Hirslanden, Version 1.7.2013, Autor: Martin Illi; et al.)

Links zu weiteren Quellen der Geschichte von Hirslanden:

> Bilder und Informationen vom "alten Zürich“
> ETH Bildarchiv
> Buch "Kunstdenkmäler der Schweiz" von der Gesellschaft für schweizerische Kunstgeschichte
> Portal über die Ortsnamen
> Digitalisierten, handschriftlichen Quellen aus Schweizer Bibliotheken und Archiven
> Staatsarchiv des Kantons Zürich
> Lou Scheurmann